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Turkey

Für mich ging’s auf dieser Reise erst ab der Türkei so richtig los. Die bisherigen Länder waren eher Transitländer. Und tatsächlich, kaum in der Türkei eingereist, änderte sich viel. Die Landschaft ändert sich schlagartig. Ist zwar noch nicht spektakulär, eher karg und trocken, aber eben anders. Die Leute sind sprunghaft freundlicher, interessierter und gastfreundlicher. Ich bin zwar noch nicht lange in der Türkei, habe aber schon viel mehr Kontakte zur Bevölkerung gehabt als bisher. Die Leute schauen mir auf dem Motorrad nach und begrüssen mich bei jedem Stopp und …sie lächeln mich an! Ein gewichtiger Unterschied um sich wohl zu fühlen.

Allerdings… ich war noch keine Stunde in der Türkei, als ich bereits von der Polizei angehalten wurde! Da die beiden Polizisten kein English konnten und ich logischerweise kein Türkisch wurde es ein lustiges Gespräch. Ich wurde 2 km vorher von einem Radar mit 87 km/h gemessen. Ich verstand nichts, aber er schrieb es mir auf. Ich sagte, dass das doch ok sei, denn ich fotografierte an der Grenze die Geschwindigkeitsvorschriften, die besagten, dass man ausserorts 90km/ fahren darf und zeigte ihm das Bild auf dem Display meines Fotoapparates. Er meinte darauf, nein, nein… das gilt nur für Autos! Motorräder dürften nur 70 km/h auf Hauptstrassen fahren! Desweiteren erklärte er mir mit seinem Zettelchen, dass auf Autobahnen die Autos 130 km/h und die Motorräder nur 90 km/h fahren dürfen. Das gibt’s doch nicht… voll die Diskriminierung!

Wenigsten liessen sich mich trotzdem laufen, da ich Ihnen offensichtlich glaubhaft machen konnte, dass ich es nicht wusste. Es gab auch nirgends ein Strassenverkehrsschild, das darauf hingewiesen hätte. Die Busse hätte übrigens 65 Euro gemacht…

Nun bin ich, wie gesagt, in Istanbul. Eine sehr spannende Stadt mit viel Geschichte, die bereits bei den Griechen und Römern beginnt. Die historischen Paläste der Ottomanen, die jahrhundert alten Moscheen und sonstigen Sehenswürdigkeiten sind absolut spektakulär. Leider ist es extrem heiss (bis 38 Grad!) und es hat Millionen von Touristen. Das ist eben der unumgängliche Wermutstropfen an sehenswerten Städten. Aber morgen bin ich wieder on the road. Ich freue mich endlich wieder viel Natur zu sehen nach dieser 15 Millionen Metropole…

 

Ich kann es kaum erwarten, mein Motorrad zu packen und loszufahren. Die vielen Touristen in Istanbul gingen mir so richtig auf den Senkel! Gepäck runter auf die Strasse geschleppt, Motorradklamotten angezogen, nun das Motorrad noch 50 Meter weiter unten holen und satteln – dachte ich…

Das Bike will einfach nicht starten! Das gibt’s doch nicht! Ich örgele und örgele, doch er springt einfach nicht an. Scheisse! Was soll nun das? Etwas ratlos fange ich an, das Bikedurchzuchecken. Die Benzinpumpe macht das typische Ansauggeräusch, also in Ordnung. Ok, checken wir mal, ob die Kerze funken macht. Auch das ist in Ordnung, doch scheinen mir die Kerzen sehr verschmutzt zu sein. Die mittlerweile stattlich angewachsene Zuschauermenge diskutiert fachkundigd, allerdings auf Türkisch. Was eine Hilfe! Doch einer wagt sich vor und mein in gebrochenem Englisch, dass ich womöglich mit Wasser gepantschtes Benzin erwischt hätte und dies zum Problem geführt hätte. Hmmmm, keine Ahnung, noch nie erlebt…

Ich ärgere mich über mich selbst, denn ich habe meine kleine Metallbürste, um die Kerzen zu reinigen zu Hause vergessen. Habe alle meine Beutel durchgewühlt, aber sie kam nicht zum Vorschein. Zum Glück habe ich aber Ersatzkerzen. Eingeschraubt, Startknopf gedrückt und voilá… springt sofort an. Ok, muss wohl so sein mit dem gepantschtem Benzin, denke ich. Einer gibt mir noch den Tipp, ich solle „Total“ tanken, das sei garantiert gutes Benzin. Ok, mache ich und was ich auch tat.

Seitdem hatte ich nie mehr Probleme mit Benzin gehabt. Der Bock springt immer wunderbar an. Bin immer noch nicht sicher, ob das Benzin wirklich das Problem war (ich hoffe es), aber was soll’s, es läuft ja nun wunderbar. Also keine Sorgen mehr machen…

Endlich abfahren! Doch kaum habe ich den erhebenden Augenblick der Bosporus-Überquerung genossen, gibt’s schon das nächste Problem: Am Ende der Brücke gibt’s eineZahlstelle, die Brücke will ja finanziert sein, doch gibt es keine wirkliche Zahlstelle mit Bedienung und Barzahlung. Nein, man braucht eine Karte, die elektronisch die Durchfahrten abbucht und die Barriere sich dann hebt. Doch was macht ein Tourist wie ich, der keine Karte hat? Der steht dann dumm in der ersten Reihe, hat keine Ahnung was nun zu tun sei und hinten hupt es wie wild (Man muss wissen das die Brücke sechsspurig ist und das Verkehrsaufkommen gigantisch ist!). Ok, irgendwie drehen und mal raus aus dem Gewühl. Da sah ich ein kleines Häuschen am Strassenrand und irgendwas auf türkisch angeschrieben. Und tatsächlich, dort verkaufen sie diese Karten. Doch gibt’s es keine Einmaldurchfahrten, nur Mehrfachkarten (15 mal, glaube ich mich zu erinnern) und die Kosten 50 türkische Lira (glaube ich). Waaaas? Ich will einmal durch und soll Fr. 34.—bezahlen??? Geht’s noch? Ich protestiere und diskutiere (so gut das geht, wenn die kein Englisch können und ich kein Deutsch). Da kommt ein türkischer Motorradfahrer neben mich und sagt auf ganz gutem Englisch, dass er mir helfen könne. Ich soll ihm 5 Lira (Fr. 3.40) geben und hinter ihm her fahren. Er würde mich auf seiner Karte abbuchen. Das tönt gut und so machen wir es auch.

Aber was für ein doofes System ist denn das? Ich bin ja wohl nicht der Einzige, der nur einmal über die Brücke will… Zudem ist überhaupt nichts auf englisch oder sonstigen Sprache angeschrieben, das dem ahnungslosen Touristen etwas erklären würde.

Ok, alle Hinternisse übewunden und nun endlich, endlich das Fahren geniessen. Erst mal schleunigst aus dem nicht mehr enden wollenden Istanbul rausfahren, was einfach ist. Einfach auf der Autobahn bleiben und die entsprechende Ausfahrt Richtung Süden nehmen, denn jetzt geht’s nach Selçuk (75 km südlich von Izmir), wo die einst wichtige altgriechische Handelsstadt Efes (oder Ephesos) liegt. Beindruckende Ruinen von einer Bibliothek, riesiges Amphitheater, Tempel, Wohnhäuser gibt’s zu sehen. Später wurde die Stadt die römische Hauptstadt in Asien. Deshalb war sie die wichtigste und grösste Stadt der Römer in Asien. Auch ist sie für die Christenheit sehr wichtig, lebten und starben doch hier die heilige Maria und der der heilige Apostel Johannes. DieGeschichte der Stadt ist sehr bewegt und äusserst spannend. Es führt hier aber zu weit, mehr ins Detail zu gehen. 

Da Ephesos zu den wichtigsten türkischen Sehenswürdigkeiten gehört, ist es selbstverständlich auch hier von Touristen überschwemmt. Seeehr mühsam…! Und das alles bei extrem grosser Hitze, was einem zusätzlich ermüdet. Aber es hat sich trotzdem gelohnt – eine tolle archäologische Ausgrabungsstätte mit spannender Geschichte.

Weiter ging’s nach Pamukkale, etwa 160 km weiter östlich. Auch dort gibt’s eine grosse, antike griechische Stadt zu besichtigen – Hierapolis. Doch der Highlight der Region sind die Kalksinterterrassen. Es gibt hier warme Quellen, dessen Wasser beim Verdunsten weisse Kalksinterterrassen entsthen lässt. Sieht sehr spektakulär aus. Man sieht sie schon von weitem. Aber auch hier: viele Touristen und grosse Hitze.

Ich bleibe nur einen Tag und fahre nun quer durch das Land nordwärts über Ankara, welches ich aber nur umfahre, an das schwarze Meer. Nun endlich werde ich von den vielen Touristen erlöst und ich genisse die sich dramatisch verändernde Landschaften. Teilweise werde ich an Mexico erinnert, denn es eröffnen sich weite, trockene und deshalb gelbe Gebiete. Sieht aus wie auf mexikanischen Hochebenen. Nur die Kakteen fehlen. Auch kommen nun endlich Berge. Das bedeutet Pässe und Täler. Yeah! Der Verkehr lichtet sich und ich bin teilweise fast alleine unterwegs. Selbstverständlich meide ich Hauptachsen, fahre auf Nebenstrassen. Wie nördlicher ich komme, desto grüner wird es. Offenbar regnet es im Norden viel mehr – was ich später noch erfahren sollte…

In 3 Tagen schaffe ich es, an das schwarze Meer zu kommen. Es wäre schneller gegangen, doch hat mich der Plattfussteufel heimgesucht und mir 3 (!) Plattfüsse innert zwei Tagen beschert! So eine verdammte Scheisse! Ich hasse es! Zweimal entdeckte ich den Platten am Morgen, kurz vor Abfahrt. Beide Male war ich in einer Stadt und da das Motorrad immer vor der Haustüre auf der Strasse parkiert war, gesellten sich schnell mehrer interessierte Schaulustige um mich und beobachteten mich, wie ich das Rad aus- und einbaute. Aber jedes Mal war jemand zur Stelle, der entweder Deutsch oder Englisch konnte und mich zu einer Werkstatt brachte, wo der Schlauch professionell geflickt wurde. Einer bezahlte den Bus, der uns zur Werkstatt

brachte und das andere Mal bezahlte der Mann die Arbeit der Werkstatt. Er bestand darauf und wollte auf gar keinen Fall Geld von mir. Sehr, sehr nett! Überhaupt sind die Leute meistens sehr nett und neugierig. Leider ist die Kommunikation eher schwierig. Sie reden kaum Englisch. Eher noch Deutsch. Es kommt vor, dass ich von einem Türke auf Deutsch angeredet werde, der mal in Deutschland gearbeitet hatte. Einmal hat mich sogar einer in breitestem Berndeutsch angequatscht! Also muss ich allermeistens mit Händen und Füssen kommunizieren. Irgendwie geht es immer. In der Zwischenzeit habe ich mir die wichtigsten Wörter wie Hallo, Guten Tag, Danke, Guten Abend, essen, auf Wiedersehen usw. und die Zahlen angeeignet. Hilft doch ein wenig…

Der dritte Platten erlitt ich unterwegs, ganz alleine irgendwo in den Bergen und etwa 40 km von meinem Ziel - Inebolu, ein Küstenstädtchen am schwarzen Meer -entfernt. Das darf doch nicht wahr sein! Am selben Morgen, vor der Abfahrt hatte ich den Schlauch schon mal geflickt! Das schmeckt schwer nach einem verbliebenen Stück Nagel im Reifen. Es muss also ein kleines Loch sein. Zum ersten Mal zahlt sich meine neue Investition in die Reisausrüstung aus: ein elektrischer Kompressor! Flugs über die Bordsteckdose angeschlossen, auf 2,5 Bar aufgepumpt und schnell ein paar Kilometer gefahren. Immer wieder kurze Kontrolle bis zu viel Luft wieder draussen war. Ich habe insgesamt dreimal aufgepumpt, bis ich das Städtchen erreicht hatte. Gleich anfangs Städtchen war auch eine Werkstatt, der den Schlauch flicken konnte. Und tatsächlich: im inneren des Pneus, nicht von aussen und nicht von innen sichtbar, war ein Stückchen Nagel verblieben, der das weitere Loch verursacht hatte! Seither habe ich auch keinen Platten mehr gehabt…

Nun folge ich der Küstelinie des schwarzen Meeres bin nach Sinop, dem „Nordkap“ der Türkei. Ein nettes, kleines Städtchen, das ebenfalls eine bewegte Vergangenheit und Geschichte hat. Es steht dort, als Zeuge längst vergangener Zeiten, eine Palastruine. In dessen Innenhof wurde später ein berühmt-berüchtigtes Gefängnis gebaut, aus dem nie irgend ein Gefangener je fliehen konnte. Berühmte Kriminelle sassen dort ein. Es ist in immer noch mehr oder weniger intaktem Zustand zu besichtigen, was einem ein beklemmendes Gefühl des Gefängnislebens vermittelt. Sehr spannend…

Danach ging’s weiter der Küste nach bis Trabzon. Unterwegs holte ich einen Schweizer und einen Deutschen Motorradreisender ein. Am Rotlicht begegneten wir uns und beschlossen kurzerhand einen Tee trinken zu gehen. Wir reisten noch 2 Tage zusammen, bis sich unsere Wege trennten. Sie machten lediglich eine 4-wöchige Türkei-Rundreise. Etwas 50 km südlich von Trabzon besuchten wir das spektakuläre, an einer Felswand „klebende“ Sumela-Kloster aus dem 14 Jhdt. Unglaublich, wo man überall bauen kann!

Danach ging’s wieder südwärts, weg vom Meer und rein in die Berge. Ich hatte in einem Motorradfahrer-Forum von einer „Road of Stones“ gelesen, die sehr schön sein soll. Das war mein nächstes Ziel. Es lohnte sich! Eine superschöne Gegend mit Pässen bis 2'000 Meter und tiefen Canyons. Allerdings ist mir schleierhaft, weshalb die Strasse Road of Stones heisst, denn sie war durchgehend asphaltiert. Trotzdem ein supertoller Reisetag bis nach Kemalyie. Kemalyie ist ein süsses Berdorf auf etwa 1'200 Meter. Von dort ging’s noch ein Stückchen südwärts, wiederum über kleine

Pässe und runter in Täler. Danach schlug ich wieder westliche Richtung ein, denn mein Ziel war Göreme in Kappadokien. An diesem Reistag erlebte ich nun wirklich die Idylle auf kleinen, einspurigen, engen Strässchen auf Schotter, Erde und durchlöcherter, alter Asphalt. Und das ganze völlig abseits und alleine. Ich begegnete an diesem Tag wohl keine 10 Autos! Eine Supergegend, rauf, runter, links, rechts….

Die Täler wurden weiter und plötzlich wurde die Gegend durch weite (Hoch-) Ebenen geprägt. Da ich meistens um ca. 1'600 bis 1'900 Meter ü.M. bewegte, war auch die Hitze um einiges erträglicher. Schliesslich ging’s wieder runter nach Kayseri , eine schrecklich grosse Stadt. Aber ich war nur noch ca. 100 km von Göreme entfernt, also Vollgas.

Ich traute meinen Augen nicht, als ich in die Gegend eintauchte! Überall wuchsen bizarren Gesteinsformationen aus dem Boden – es sah aus wie in einer anderen Welt – urplötzlich! Ich denke, diese Gegend hier ist weltweit einmalig.

Die Landschaft sticht einem schon von Weitem ins Auge, denn diese ist von merkwürdig geformten Tuffsteinformationen geprägt, die sich im Laufe von Millionen von Jahren durch Wasserläufe und Vulkanausbrüche bildeten. Der Tuffstein ist unterschiedlich hart und an manchen Stellen bereits ausgehöhlt (sog. Feenkamine). Dies haben sich frühe Siedler zu Nutze gemacht und ihreBehausungen einfach in den Stein gehauen.

Diese Siedlungen warenfür die ersten Christen (ab dem 4. Jhdt) ein Zufluchtsort für ein andächtiges Leben und natürlich auch Schutz vor ihren Feinden, seien es nun Perser, Araber oder Römer. Im Laufe der Jahre gelang es ihnen sich hier eineganze Stadt im Felszu errichten (bis zu 10 Stockwerke tief!).

Auch heute noch wohnen Menschen in solchen Höhlen. Es ist schick geworden, sich eine Höhle zu kaufen und neuzeitlich einzurichten. Göreme ist leider sehr touristisch geworden, aber wo kann man schon in einem Höhlenhotel übernachten? Es ist immer noch sehr faszinierend, wie ich mich überzeugen konnte. Ein Highlight, das hier angeboten wird, ist eine Ballonfahrt früh am Morgen. Da fliegen bis zu 70 Ballone ruhig durch die Luft. Das sieht echt spektakulär aus! Unser Pilot sagte, dass es womöglich weltweit einzigartig sei, dass so viele Ballone auf so kleinem Raum miteinander schweben könnten, ohne sich in die Quere zu kommen. Und diese wunderbare, ja mystische Gegend von oben zu sehen, gehört jetzt schon zu einem Highlight meiner Reise!

Nachdem ich hier eine ganze Woche Pause gemacht habe und mich von dieser Gegend verzaubern liess ging’s weiter in das etwas 100 km südlich gelegene Ihlara-Tal. Ich übernachte nicht in Ihlara wie alle anderen Touristen, sondern im ca. 4km entfernten, mitten im Ilhara-Tal gelegenen Belisirma. Eine einzige, sehr einfache Familien-Pension mit sehr netten Gastgeber. Man in diesem Tal, in dem ein Fluss fliesst und es entsprechend grün werden lässt, wandert man zwischen hohen, senkrechten Felswänden. Auch hier wieder Felsenkirchen und Wohnungen. Ein wunderschönes und beeindruckendes Tal…

Am nächsten Tag geht’s wieder runter von den Bergen, bzw. Hochebene zum Mittelmeer nach Mersin. Die Stadt ist gross und laut. Nichts besonderes, einfach ein Zwischenhalt. Das Ziel am nächsten Tag ist Antakya, ca. 50 km von der syrischen Grenze entfernt.

Ich lerne im gleichen Hotel ein schweizer Ehepaar, das ebenfalls mit dem Motorrad unterwegs ist. Wir beschliessen, zusammen die Altstadt auszukundschaften. Antakya hat eine wunderbare Altstadt am Berghang. Verwinkelte Gassen, die steil den Berg hochführen. Es ist wunderbar, in diesen Gassen zu wandeln. Die Leute begrüssen mich sehr freundlich und wollen ihre paar Brocken Englisch ausprobieren („Hello, what’s your name“). Keine Spur von Gefahr oder Eindringen in die Privatsphäre. Es ist sehr intim in diesen Gassen, überall sieht man in die Häuser. Die Leute sitzen vor den Häusern, Kinder spielen herum. Ein Tourist in dieser Ecke ist etwas Spezielles. Man freut sich und begrüsst einem sehr freundlich. Einfach herrlich.

Oben angekommen, genisst man einen herrlichen Ausblick über die Stadt. Wir picknicken und geniessen den Sonnenuntergang. Als der Muezzin sein Aufruf zum Gebet singt, halt es über das ganze Tal. Man ist völlig verzaubert ob dieser orientalischen Atmosphäre – es ist wunderschön. Ich hätte es nie geglaubt…

Nun geht’s nach Syrien. Ich habe nur Gutes gehört und freue mich riesig auf dieses Land. Es wird nun immer orientalischer und fremder - und ich fühle mich jetzt wirklich weit weg von zu Hause…

 

2. Teil: von Syrien zurück

 

Nun stand ich also wieder an der syrisch/türkischen Grenze.  Mein heutiges Tagesziel war, so weit wie möglich nordwärts zu kommen, denn ich musste Ostanatolyen durchqueren um nach Dogubeyazit an der iranischen Grenze zu kommen.

Ich wusste, das sich mich in heiklem Gebiet befinde, denn die irakische Grenze liegt nur wenige Kilometer entfernt und ich befinde mich mitten in kurdischen Gebiet. Und was für Spannungen zwischen Kurden und Türken existieren, weiss man ja aus der Presse. Auch wurde ich mehrmals gewarnt, dass es in diesem Gebiet Spannungen gibt und ich aufpassen soll. Entsprechen fühlte ich mich nicht so richtig wohl in meiner Haut und ich wollte einfach so schnell wie möglich mich von der Grenze entfernen.

Die Fahrt hinein ins Kurdengebiet ist aber allererste Sahne! Nach zwei Militärkontrollen habe ich freie Fahrt in die Berge. Es geht hoch und höher, komme bis auf 1'900 Meter. Es ist eine grandiose Landschaft! Die Strasse windet sich Kurve um Kurve die Berge hoch und runter. Nach der syrischen Wüste und heissen Temperaturen wechselt die Landschaft nun dramatisch! Auch wird es immer kühler. Die Temperaturen fallen auf 14 Grad! Ich fröstle und schalte erstmals die Griffheizung ein.

Ich erreichte an diesem Tag die Stadt Siir, die auf 1'700 M.ü.M. liegt. Ich fahre in die Stadt ein und tatsächlich gefiel mir die Stimmung in dieser, einen heruntergekommenen, ärmlichen Eindruck machenden Stadt, nicht. Wie immer suche ich das Zentrum um ein Hotel zu finden. Ich irre durch die Stadt und gerate in „komische Quartiere“. Alle Leute schauen mit sehr unterschiedlichen Gesichtsausdrücken auf mich, als sie mein Motorrad hören und sehen. Es geht von freundlich Winken bis zu bösen Blicken. Ich fühle mich nicht wohl. Da sehe ich in so einer Quartierstrasse einen brennenden Reifen und grössere Steinbrocken quer über die Strasse. Viele Jugendliche und Kinder sind auf der Strasse. Ich nähere mich, sehe dass ein alter Renault 12 angehalten wird und diskutiert wird. Ich mache keine Anstalten zu halten und fahre zwischen den Steinen durch. Da höre ich plötzlich Schreie hinter mir und dann sehe ich im Rückspiegel einen Haufen Steine, die mir hinterher geworfen werden. Oh shit, oh shit, denke ich. Nicht gut und gebe Gas. Zum Glück trifft mich keiner. Aber mein Eindruck hat sich in diesem Augenblick bestätigt. Die Stimmung ist gereizt in dieser Stadt! Scheisse, es ist bereits am Eindunkeln und ich muss hier übernachten. Endlich treffe ich wieder auf eine Hauptstrasse und fahre glücklicher weise tatsächlich ins Zentrum. Auch finde ich auf Anhieb ein Hotel. Ich halte an und bin sogleich Umringt von Gaffern, Männer, Jugendliche und Kinder. Zum Glück sind sie freundlich. Sie sind einfach überrascht, einen Traveller auf einem grossen Motorrad in ihrer Stadt zu sehen. Zum Glück gibt’s ein Zimmer führ mich. Die jugendlichen Rezeptionisten sind nett und verscheuchen die Kinder um mein Motorrad. Ein Hotelgast kann ein paar Brocken Englisch und hilft mir. Glücklicherweisehat die neben dem Hotel angebauten Teestube einen Hinterhof und ich darf mein Bike dort abstellen. Phuuu, bin ich froh, das Bike von der Strasse zu haben. Ich verziehe mich ins Zimmer und kommen nur noch einmal für ein Nachtessen raus. Ich bin sehr froh darüber am nächsten Morgen aus der Stadt zu verschwinden…

Nach zwei weiteren Tagen Fahrt durch die Berge, über eine weite, auf 2'000 Meter liegenden Hochebene, vorbei am grossen Van-See (1'600 M.ü.M.) und letzlich über einen Pass auf 2'600 M.ü.M., den ich bei 6 Grad und Regen überquere, erreiche ich Dogubeyazit – meine letzte Station in der Türkei. Hier bin ich nun und warte auf die Zusendung eines neuen Satz Reifens, der mir aus Istanbul zugeschickt wird. Ich ruhe mich hier etwas aus, schreibe den Bericht und arbeite an meiner Webseite.

Dogubeyazit liegt am Fuss des Berges „Ararat“, dem mit 5'165 Meter höchsten Berg der Türkei. An diesem Berg soll die Arche Noah gelandet sein! Es ist also ein in der christlichen Geschichte sehr wichtiger Berg und Ort. Ich bin allerdings nicht wegen de Arche Noah hier, sonder weil dies der Weg zum Iran ist. Zudem sehe ich bis jetzt gar nichts vom Berg, weil es schwer bewölkt ist und es regnet…. Vielleicht kann ich ja bis zum meiner Abfahrt noch einen Blick auf den Berg erhaschen.

In ein paar Tagen geht’s dann rüber über die iranische Grenze. Ich bin ja sehr gespannt, was mich im Iran erwarten wird. Man weiss ja so gut wie gar nichts über dieses Land. Ich freue mich sehr, dieses Land erschliessen zu können.

Man sagt mir hier, dass der Winter dieses Jahr ungewöhnlich früh einbricht und es eigentlich schon zu kalt für diese Jahreszeit ist. Wir sind hier auf 1'600 M.ü.M. und ich kann bereits Schnee an den herumstehenden Bergen sehen. Der Iran liegt höher als man weiss und denkt, und deshalb stelle ich mich von nun an auf Kälte ein. Na ja, für nichts habe ich meine warmen Sachen nicht mitgeschleppt…

 

 

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